Königskinder
Märchenoper in drei Akten (1910)
Musik von Engelbert Humperdinck
Text von Engelbert Humperdinck nach Elsa Bernstein-Porges (= Ernst Rosmer)
Sprache: In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Mit Hänsel und Gretel erlangte er Weltruhm, mit seiner folgenden Märchenoper Königskinder hat sich der hohe künstlerische Rang des Komponisten Engelbert Humperdinck noch einmal eindrucksvoll bestätigt. Ursprünglich als Melodram entworfen, arbeitete er das Werk zu einer großformatigen durchkomponierten Oper um, die Ende 1910 ihre erfolgreiche Uraufführung an der New Yorker Metropolitan Opera erlebte und bereits wenige Wochen darauf erstmals am Opernhaus Unter den Linden zu hören und zu sehen war.
Verschiedenste Märchenmotive sind in die ansonsten frei erfundene Handlung eingeflossen, mit hohem Symbolwert und poetischem Zauber. Zutiefst menschlich sind die Figuren, die auf der Bühne erscheinen, in ihrem Denken frei und dennoch in Zwängen befangen, zugleich in ein Spiel der großen Emotionen einbezogen. Mit den zahllosen Klangfarben des spätromantischen Orchesters und einer immensen Ausdrucksintensität besitzt die Partitur der Königskinder besondere musikalische Qualitäten, die durch die Staatskapelle Berlin und ihren Generalmusikdirektor Christian Thielemann neu belebt werden.
Handlung
Erster Akt
(Orchestervorspiel: „Der Königssohn“)
Tief im Wald wächst die junge Gänsemagd bei der Hexe auf, die sie für ihre Großmutter hält. Sie träumt von der Welt und den Menschen außerhalb des Waldes, den sie noch nie verlassen konnte, da rings um die Hütte Baum und Strauch sie in Bann halten. Vergeblich versucht die Alte, das Mädchen die dunklen Hexenkünste zu lehren. Eines Tages heißt sie die Gänsemagd ein Zauberbrot zu backen, das demjenigen, der „es hälften isst“, „ganzen Tod“ bringen soll. Die Gänsemagd segnet jedoch das Brot mit den Worten: „Wer davon isst, mag das Schönste seh’n, so er wünscht, sich zu gescheh’n.“
Als die Hexe zum Pilzesammeln im Wald verschwunden ist, kommt vom Hellaberge der Königssohn herab. Er hat das Schloss seiner Väter verlassen, um – unerkannt seiner Herkunft – Welt und Menschen kennenzulernen. Die Gänsemagd, die noch nie zuvor einen Menschen gesehen hat, findet schnell Gefallen an dem Jüngling. Als beide aus dem Brunnen trinken, berühren sich ihre Lippen. Da weht ein Wind der Gänsemagd ihren Blumenkranz vom Haar. Bei dem Versuch, ihn für sich zu behalten, zerreißt der Königssohn den Kranz. Dafür bietet er der Gänsemagd seine Krone an. Gemeinsam wollen sie fliehen. Jedoch den Zauberbann der Hexe vermag das Mädchen nicht zu brechen. Der Königssohn, der sie für feige hält, stürzt enttäuscht in den Wald. Gerade noch rechtzeitig kann die Gänsemagd die Krone vor der heimkehrenden Hexe verbergen, nicht aber ihre Begegnung mit einem Menschen. Wütend sperrt die Hexe sie in der Hütte ein. Da erscheinen, geführt vom Spielmann, zwei Bürger – Holzhacker und Besenbinder – aus der nahen Stadt Hellabrunn. Dort ist, so berichten sie, der alte König gestorben, ohne einen Nachkommen hinterlassen zu haben. Man wolle nun den weisen Rat der Waldfrau einholen, wer künftig in Hellabrunn regieren soll. Voller Hohn antwortet die Hexe, dass derjenige, der morgen zum Hellafest um Schlag zwölf das Stadttor betritt, „sei es ein Schalk oder Wechselbalg“, ihnen zum König bestimmt sei. Mit dieser Nachricht eilen Holzhacker und Besenbinder wieder zurück in die Stadt, nicht aber der Spielmann, der durch das Fenster die Gänsemagd erspäht hat. Die Hexe berichtet nun, die Gänsemagd sei das Kind eines Mörders und einer Dirne. Der Spielmann aber beruhigt die verzweifelte Gänsemagd: ihre Eltern seien in „Lieben und Leiden […] königsecht“ gewesen. Somit sei sie selbst ein „Königskind“. Die Gänsemagd ruft ihre Eltern an, sie mögen ihr helfen, den Bann der Hexe zu brechen. Da fällt ein Stern vom Himmel und bricht den Zauberbann. Die Gänsemagd eilt, gefolgt vom Spielmann, in den Wald.
Zweiter Akt
(Orchestervorspiel: „Hellafest und Kinderreigen“)
In Hellabrunn bereiten sich die Bürger auf das Hellafest und das Erscheinen des neuen Königs vor. Der Königssohn, der mittlerweile in der Stadt eingetroffen ist, kann sich beim Wirt als Schweinehirt verdingen. Allerdings muss er die erotischen Zudringlichkeiten der Wirtstochter abwehren. Das kleine Töchterchen des Besenbinders lässt ihn voll Sehnsucht an die Begegnung mit der Gänsemagd denken. Unter großem Jubel halten die Ratsherren Einzug. Als die Mittagsglocke schlägt, wird das Stadttor geöffnet. Draußen steht die Gänsemagd, die Krone des Königssohns auf dem Haupt. Als dieser sie als seine Königin begrüßt, bricht das Volk in Hohnlachen aus. Der Spielmann, der versucht, die wütende Menge zu beruhigen, wird in den Turm geworfen; Königssohn und Gänsemagd werden aus der Stadt gejagt. Nur das kleine Töchterchen des Besenbinders weiß es besser: „Das ist der König und seine Frau gewesen!“
Dritter Akt
(Orchestervorspiel: „Verdorben! Gestorben! – Spielmanns letzter Gesang“)
Der Winter ist über das Land gekommen. In der zerstörten Waldhütte der Hexe, die von den wütenden Bürgern von Hellabrunn auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, haust nun der verkrüppelte Spielmann. Ihn suchen Besenbinder und Holzhacker zusammen mit einigen Kindern der Stadt auf. Diese bitten den Spielmann, mit ihnen nach den verschwundenen Königskindern zu suchen. Aber die Suche wäre im kalten Winterwald vergebens, weiß der Spielmann. Während Holzhacker und Besenbinder sich in der Hütte aufwärmen, zieht der Spielmann mit den Kleinen los, die übrigen Kinder, die noch am Waldrand warten, abzuholen.
Da erscheinen, dem Hunger- und Kältetod nahe, die beiden Verlorenen. Für den Preis seiner Krone kann der Königssohn von Holzhacker und Besenbinder einen Laib Brot erbetteln, den diese in der Hütte gefunden haben. Es ist jenes Zauberbrot, welches einst die Gänsemagd im Auftrag der Hexe gebacken hatte. Fluch und Segen erfüllen sich an den beiden: Sie träumen von ihrer ersten Begegnung, dann schlafen sie ein. Der Schnee deckt die beiden Toten zu. So werden sie vom zurückkehrenden Spielmann und den Kindern gefunden. Unter dem letzten Gesang des Spielmanns werden die Königskinder zu Grabe getragen.